VIER MEHR KUNST III PLUS

19. November bis 21. Dezember 2019

Ekaterina Ezhkova, geboren 1977 in St. Petersburg, studierte ab 1995 an der Baron Stieglitz Kunstakademie in St. Petersburg Angewandte Kunst. 2001 beendete sie ihr Studium mit Auszeichnung und geht mit einem Stipendium nach Dänemark an die Bornholmer Kunsthochschule, wo sie bei Anna und Peter Stougaard das Töpfern lernt und in meisterhafte Glasurtechniken eingeweiht wird. Ekaterina Ezhkova wird 2005 im Bundesverband Bildender Künstler aufgenommen und zeigt ihre bereits mehrfach ausgezeichnete Kunst bis heute bei Ausstellungen unterer anderem in Russland, Norwegen, Dänemark, Großbritannien, Lettland und der Schweiz. Ekaterina Ezhkova lebt und arbeitet in Kiel.

Sabine Keil, geboren 1965 in Bremen, studierte ab 1990 in Berlin an der Hochschule der Künste bei Vivienne Westwood Kostümdesign, Malerei und Goldschmiedekunst.
Der Schwerpunkt ihrer künstlerischen Arbeit liegt im Kostümbild am Theater Kiel und ihrer Malerei. Im Kostümbild formt sie durch die Stofflichkeit der Materialien den Raum und setzt sich mit der Wirkung von Farbe und Form auseinander. So entstehen auch Sabine Keils Bilder. Ihre hauptsächlich großformatigen Acrylbilder werden durch das Auflegen mehrerer Schichten gestaltet, so dass scheinbar neue Ebenen oder Atmosphären entstehen. Durch das Studium von Licht und Reflexion und dem bewußten Weglassen von Farben erschafft sie eine atmosphärische Verdichtung, die auf natürliche Räume hinweisen. Sabine Keil lebt und arbeitet in Kiel.

Jochim Lichtenberger, geb. 1948, Diplom in Physik, Promotion in Psychologie, arbeitete Jahre lang als Physiklehrer und als Autor, Fotograf und Filmproduzent für einen Schulmedienverlag. Die fotografischen Arbeiten bewegen sich im Spannungsfeld von Ästhetik und Physik. Der besondere Blick des Physikers lenkt die Aufmerksamkeit auf verborgene Schönheiten der Natur. Themen sind z.B. die vielfältigen Farben des Meeres, die Hieroglyphen aus zerbrochenen Schilfhalmen im spiegelglatten See oder die umgekehrten Bilder in Tautropfen. Jochim Lichtenberger fotografiert oft im 40 Tele- oder Makrobereich, wodurch sich ungewohnte, abstrakte oder geradezu surreale Ansichten ergeben. Präsentiert werden die Fotos als Fine Art Prints auf weichem Papier mit einer hohen Farbsättigung und einer fast malerischen Anmutung.

Nils Winderlich, geboren1973 in Kiel, verlebte seine Kinderzeit in Puerto Mont/Chile und kehrte als Teenager nach Eckernförde zurück. Er studierte zwei Jahre Physikalische Technik an der FH Lübeck, bis er 1996 zu seiner Leidenschaft, dem Schmieden, fand. Nach seiner Ausbildung zum Kunstschmied bei Kurt Lange in Kiel, arbeitete er als Geselle in Betrieben im In- und Ausland, u.a. bei Alfred Habermann, Claudio Bottero, Achim Kühn. 2004 eröffnete er, nach bestandener Meisterprüfung, seine eigene Schmiede. Er selbst bezeichnet seine Arbeit als sinnliches Spiel mit dem Feuer. Seine geschmiedeten Werke erinnern, regen an und bewegen. Objekte, aufs Wesentliche reduziert, lebendig, natürlich – natürlich Stahl. Seine Liebe zu diesem harten, unnachgiebigen und doch so wandelbaren Material, seine Freude an dem Prozess, eine Spur zu hinterlassen und seine Freude, die Welt mit etwas Schönem zu bereichern, treiben ihn an und erfüllen ihn. Auf zahlreichen Einzel- und Gemeinschaftsausstellungen im In- und Ausland präsentiert Nils Winderlich das, was ihm im Leben so wichtig ist.

Nino Nakwetauri, *3.  Januar 1968; † 6. Oktober 2019

Erinnerungen

Nino war die Zweitgeborene, nach einem Mädchen, dann folgte der ersehnte Sohn.
Sie war anders als ihre Geschwister. Sie hatte zu große Füße, eine zu große Nase, zu rote Haare, ein zu lautes Lachen, ein zu großes Herz. Sie war einfach zu groß, um übersehen zu werden. Und sie malte zu gut. Sie malte Ballerinen, war besessen von diesen zarten Wesen, als ob sie dadurch ihr eigenes zu viel sein korrigieren wollte.

Wir sind im gleichen Jahr geboren und in der Zeit, wo sie die Welt der Farben entdeckte, verzauberte mich die Macht der Wörter. Unsere Familien machten jedes Jahr in den Sommerferien zusammen Urlaub in Lagodekhi. Es war ein Paradies für Kinder, aber wir beide hatten etwas anderes im Kopf. Während unsere Geschwister draußen bis zur Ohnmacht spielten, blieben wir den ganzen Tag im Haus. Sie malte, ich schrieb. Zwischendurch träumten wir und zweifelten nicht daran, dass wir in ein paar Jahren die berühmteste Autorin und die angesagteste Malerin in Tiflis sein würden.

Wir studierten schon, (ich Journalistik, sie Malerei) als sie ihn kennenlernte. Sein Anblick hat sie erschlagen, sie war für immer diesem wunderschönen Mann verfallen. Bis er sie mit zwei Kinder sitzen ließ und verschwand. Ich war damals schon in Deutschland, bastelte an meinem Leben hier. Sie malte in Georgien, verkaufte ihre Bilder an Touristen am Ufer des Mtkwari, versuchte zu überleben, die Kinder allein großzuziehen. Sie kämpfte, bis die Krankheit sich meldete, die Besitz auf ihren Körper beanspruchte und ihre für eine Georgierin zu weiße Haut mit schwarzen Punkten faszinierend anmalte.

Deutschland, Kiel, Steinstraße. Wir sind seit 30 Jahren das erste Mal wieder in einem Raum. Sie malt, ich schreibe. Sie malt für sich, das was sie will, das was sie fühlt, nicht mehr für Touristen. Sie hat ja schon überlebt, die Kinder sind auch schon groß. Sie habe eine Abmachung mit der Krankheit getroffen, erzählt sie mit einem Lächeln. „Sie“ darf auf ihrem Körper gerne weiter malen aber dafür bekommt sie die Zeit, das Bild zu malen, für das sie bis jetzt keine Zeit hatte. So habe sie sich ein bisschen Zeit erkauft, sagt sie voller Stolz und malt wie besessen weiter.

Wir beide wissen inzwischen, dass wir nicht die berühmtesten Leute sind und angesichts des Todes machen wir einfach das, wofür wir geboren wurden: sie malt, ich schreibe. Ich schreibe über meine Cousine, die bei mir zu Besuch war, um ihre gekaufte Zeit mit mir zu teilen.

Maya Feddersen